Fortbildungsveranstaltung des vds-Hamburg
für Lehrerinnen, Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal in allen Schulen
„Dabei, daneben, außen vor – wohin mit den Schwierigen ?"
jeweils mittwochs: 28.3., 25.4. und 30.5. 2012 von 17 – 20 Uhr
in der Aula der Schule Bindfeldweg 34 in Niendorf
Leitung: Christiane Mettlau,
Bundesreferentin für den Bereich emotionale und soziale Entwicklung im vds
und Referentin im Landesverband Hamburg
Der „richtige“ Umgang mit den wachsenden emotionalen und sozialen Problemen von Kindern und Jugendlichen bei gleichzeitigem Umbau des sonderpädagogischen Unterstützungssystems löst länderübergreifend Debatten aus. Und wenn die Krise der Motor jeder Entwicklung ist, sehen wir im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Emotionale und Soziale Entwicklung“ (ES) noch bewegten Zeiten entgegen. In der Inklusionsdebatte steht dieser Arbeitsbereich an prominenter Stelle.
Bildungsgerechtigkeit und Inklusion zu verwirklichen heißt:
Allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zur Bildung zu ermöglichen,
auch jenen mit Störungen der emotionalen und sozialen Entwicklung!
Die SchülerInnengruppe mit Förderbedarfen ES ist gerade die Klientel, welche Lern- und Gruppenprozesse in Regelschulen häufig stört, sprengt oder gar nicht erst nutzt.
ProblemschülerInnen mit anderen Kindern integrativ zu beschulen, ist eine Herausforderung, eine „Herkules-aufgabe“.
Der Weg dahin wird kontrovers diskutiert:
---- Entweder Teilhabemöglichkeit oder Sondereinrichtungen für Verhaltensgestörte?----
---- Sowohl als auch? ------- Was ist zu tun? -------
------ Wie stärken wir Pödagoginnen, Pädagogen und schulische Strukturen? ------
Die Veranstaltungsreihe besteht aus drei Bausteinen zu folgenden Themen:
Baustein 1:
Einführung in die aktuelle Debatte und Praxisbeispiele,
Impulsvortrag, Diskussion,
Kurzbeiträge von Praktikern aus den Projekten „PEPE - Pädagogische Entwicklungsförderung für Primarschüler in Eimsbüttel“ und
„Laborklasse 5/6 Eimsbüttel“
Baustein 2:
Risiko und Resilienz, Handlungsansätze
Baustein 3:
Vortrag, Diskussion,
anschl. Dokumentarfilm „20 Geigen auf St. Pauli“.
Die Dokumentarfilmerin Barbara Metzlaff wird als Gast dabei sein.
Für die drei Bausteine sind Anmeldungen erforderlich, schriftlich an: vds-Hamburg, Geschäftsstelle, Grenzweg 2, 21629 Neu Wulmstorf,
oder Tel.: 040-7008274, oder Fax: 03222 372 0664,oder E-mail: vds.Hamburg.Geschaeftsstelle@t-online.de
oder das Anmeldeformular benutzen.
Tagungsbeitrag (bei Eintritt zu entrichten) pro Baustein 15,-- €,
vds- und dgs-Mitglieder, Referendarinnen, Referendare und Studierende 10,-- €.
Zwei Artikel in der Franfurter Allgemeinen vom 8. 12.:
Rainer Winkel: Das neue Wunschbild: Alles inklusive -
Rettet die Sonderschulen!
Bernd Ahrbeck: Das Gleiche ist nicht für alle gleich gut.
zum Lesen bitte hier klicken:
Stellungnahme
des vds-Verband Sonderpädagogik, Landesverband Hamburg e.V. zur
Presseerklärung des Senators für Schule und Berufsbildung
vom 23. November/bsb23:
„Wir wollen ausgegrenzten Kindern neue Chancen eröffnen“
Der vds-Verband Sonderpädagogik verwahrt sich entschieden gegen den in der Presseerklärung verwendeten Begriff
„ausgegrenzte Kinder“,
weil damit die bisherige Unterrichts- und Erziehungsarbeit aller Lehrerinnen und Lehrer in allen Schulformen diffamiert ist. Mit dieser Aussage wird suggeriert, dass behinderte Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit in Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien und Sonderschulen ausgegrenzt wurden.
Wir fordern den Senator auf, diese Aussage zurückzunehmen.
Enno Bornfleth, Erster Vorsitzender, 23. November 2011
Die letzten drei Ausgaben der Hamburger Mitteilungen,
bitte zum Öffnen anklicken:
Veranstaltungshinweis:
Störung inclusive -
Erziehungshilfe in der allgemeinen Schule,
am 27. März 2012 von 9:00 bis 17:00 Uhr in Frankfurt
Gerhard Zeitler, Bundesreferent
Von neuen Feuerwachen und flächendeckendem Brandschutz
Bericht über das Treffen der Landesreferentinnen und -referenten des Förderschwerpunkts „Emotionale und Soziale Entwicklung“ 2011 in Berlin
Die Landesreferentinnen und – referenten trafen sich vom 19. bis 21. Mai 2011 im Pädagogischen Forum Mitte in Berlin.
Für die hervorragende Organisation der dreitägigen Veranstaltung bedankt sich die Gruppe bei Marina Koch-Wohsmann ( LV Berlin) und Peter Riedel (LV Brandenburg).
Der Schwerpunkt dieser Tagung befasste sich mit der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
Die Tendenzen bei den Berichten aus den Bundesländern zeigen, dass für diesen Personenkreis häufig ein Ausschluss aus dem regulären Bildungssystem angedacht wird, insbesondere bei „schweren Fällen“. Berlin bot uns die Gelegenheit, Praxismodelle vor Ort kennen zu lernen und sich mit den dafür zuständigen Pädagoginnen und Pädagogen auszutauschen. Bereits am Donnerstagnachmittag besuchten wir die 1.Gemeinschaftsschule Neukölln des Modellprojekts Campus Rütli, die sich aus der ehemaligen „Rütli-Schule“ mit „schwierigen Schülern“ seit 2007 zu einem Modell der gemeinsamen Bildung in diesem sozialen Brennpunkt entwickelt hat.
Investition in Schulsozialarbeit für Familien mit Migrationshintergrund und die Fortbildung der Pädagoginnen und Pädagogen mit dem Ziel, den Blick auf die Stärken der Kinder zu richten und ihnen mit Wertschätzung und Akzeptanz zu begegnen, hat sich hier gelohnt.
Der Freitag gestaltete sich als ein sehr arbeitsintensiver und informativer Tag. Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden Herrn Jürgen Heuel stellte Frau Dr. Ulrike Becker von der Prignitz-Schule ihr „Projekt Übergang“ vor, das sich als integrativer „Förderansatz für Schüler mit erheblichen Beeinträchtigungen in der sozialen und emotionalen Entwicklung“ versteht, und das bereits in mehreren Berliner Schulen durchgeführt wird.
Weitere Informationshöhepunkte waren die Vorstellung der sonderpädagogischen Kleinklasse der Bruno-Taut-Grundschule durch Herrn Bühring und das Kennenlernen und praktische Erproben der Kooperativen Förderplanung angeleitet durch Frau Hülscher vom LISUM Berlin-Brandenburg.
Der Austausch am Samstag anhand der Berichte aus den Bundesländern ergab Tendenzen für eine zunehmende Psychiatrisierung der Kinder mit dem Förderschwerpunkt EuSE, eine Verschlechterung der Ausbildung durch Nichtbesetzung von offenen Lehrstühlen und Überlegungen zu einer Sockelqualifizierung von Pädagoginnen und Pädagogen mit Kompetenzen aus unserem Förderschwerpunkt.
Die Referentinnen und Referenten sehen die Gefahr einer Ausbildung zu einem „Sonderpädagogen-Light“, was erhebliche Einbußen der Professionalität mit sich bringen würde.
Eine intensive Diskussion der kennen gelernten Modelle und der Länderberichte führte zusammen mit dem Rückblick auf die Dortmunder Tagung „Lehrer in Not - Schüler in Not“ zu folgenden drei Kernthesen für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung:
- Inklusion und „Unbeschulbarkeit“ schließen sich aus.
- Exlusion ist, wenn Kinder mit der Kennzeichnung „unbeschulbar“ aus dem System fallen
- Inklusion ist, wenn die allgemeine Schule immer in der Hauptverantwortung bleibt.
Die Gruppe der Landesreferentinnen und –referenten erkennt an, dass diese Zielgruppe ganz besondere Herausforderungen für das Gesamtsystem Schule darstellt. Sie hält Inklusion für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung möglich, wenn sie sich an den folgenden Merkmalen einer guten Versorgung orientiert:
1. Alle Kinder haben ein Recht auf Wertschätzung und Akzeptanz.
2. Orts- und zeitnah steht ein gestuftes Beratungs- und Interventionssystem zur Verfügung!
3. Für die Prävention existieren Konzepte zur Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz an jeder Schule.
4. Als ambulante Hilfe steht ein Unterstützungsangebot für die fundierte Bearbeitung von schwerwiegenden Entwicklungsrisiken zur Verfügung .
5. Es besteht eine verbindliche interdisziplinäre Vernetzung, damit kein Kind in den strukturellen Lücken zwischen den Systemen von Schule, Jugendhilfe und anderen Diensten verloren geht.
6. Eine transparente regionale Steuerung garantiert die Versorgung.
7. Separierende Formen sonderpädagogischer Förderung werden nur in Situationen extrem gefährdeter Entwicklung und nur eng zeitlich befristet genutzt.
8. Notwendige Fortbildungsmaßnahmen stehen zur Verfügung.
Vor diesem Hintergrund sehen die Landesreferentinnen und -referenten die Weiterentwicklung der Professionalität des Förderschwerpunktes.
Inklusion kann nicht weiter verfolgt werden, wenn die Notwendigkeit eines Ausschlusses der Schüler unterstellt wird, die mit massiven sozial-emotionalen Problemen belastet sind. Die inakzeptable Folge einer solchen Entwicklung wäre eine extreme Verdichtung von Problemlagen und eine weitere Psychiatrisierung.
Anstatt ständig neue Feuerwachen zu eröffnen, wollen wir den flächendeckenden Brandschutz verbessern.